Eine Stadt hat den Blues

bazkulturmagazin, 30. März 2006, Michael Gasser


Mundharmonisch. Roland van Straaten, Liebhaber der «Schnuregige»

Die siebte Ausgabe des Blues Festival Basel

Es ist zu einer beachtlichen Grösse herangewachsen: das Blues Festival Basel. Die Ausgabe 2006 legt den Schwerpunkt auf die Mundharmonika.

«Die Mundharmonika gehört zu den grossen Instrumenten im Blues», sagt Louis van der Haegen. Wohl mit ein Grund, weshalb ihr der Veranstalter des siebten Blues Festivals Basel, das am Montag seinen Auftakt nimmt, bei der diesjährigen Durchführung besondere Aufmerksamkeit widmet. Am ersten Abend lotet Heinz Flückiger zusammen mit dem Silvio-Domedi-Trio die Verbindungen des Blues zum Country aus. Eine Reise, die selbst vor Ausflügen zu Songs von Glenn Miller oder Joe Cocker nicht Halt macht. Begleitet werden die Hauptprotagonisten dabei auch von - man ahnt es - einer Mundharmonika.

Eine solche wird ebenfalls am Mittwochabend von der Bühne herabschallen. Dann nämlich, wenn Manu Hartmann, «The Black Voice From Switzerland», mit ihrer Band für Blues von der wohl temperierten Sorte zu sorgen gedenkt. Und beinahe vollständig im Zeichen der «Schnuregige» steht der Dienstag, an dem Roland van Straaten in der Pauluskirche sein neues Programm «Basilica» präsentiert.

PREDIGER. Der Zürcher stellt sein Instrument, das zu den kleinsten zählt, dem grössten gegenüber: der Kirchenorgel. Gespielt wird diese von Susanne Philipp. Angst, dass die Mundharmonika da keine Chancen hat, sich durchzusetzen, verspürt van Straaten keine, schliesslich benutzt er ein Mikrofon: «Dadurch entsteht ein Gleichgewicht zwischen den Instrumenten.» Van Straaten schätzt es, häufiger Konzerte in Sakralbauten zu geben. Da seien Musiker wie Zuhörer in einer anderen, einer spirituellen Welt.

Besonders wichtig ist ihm bei seinen Auftritten die Improvisation, ein Statement aus dem Hier und Jetzt. Das fordere ihn als Musiker jedes Mal von Neuem, doch halte dies wiederum seinen Sound aus Tango, Blues und Jazz sehr lebendig.

Seine erste Mundharmonika hat ihm ein Freund geschenkt, wie sich van Straaten erinnert. «Es war Leidenschaft auf den ersten Blick.» Sein Leben habe sich dadurch schlagartig geändert, sei das Ganze doch wie ein musikalischer Urknall für ihn gewesen. Am Instrument, das ihm die Tür zum Blues aufgetan hat, fasziniere ihn vor allem die Direktheit: Im Gegensatz zu Tools Thietemans oder Stevie Wonder benutze er keine chromatische Mundharmonika, sondern eine so genannte Blues Harp, die töne viel sinnlicher.

PIONIER. Auf seinem Gebiet sah sich der Künstler nicht zuletzt als Pionier. «Da gab es noch Neuland zu erforschen.» Van Straaten, dem häufig attestiert wird, über einen unverkennbaren Klang zu verfügen, betreibt seine Musik mit viel Begeisterung. Dementsprechend auch sein Versprechen für das Konzert: «Ich gebe alles.»